Wenn’s denn mal ordentlich sheppert.
Australian Shepherd, Vollgas voraus – und als Fotograf hast du manchmal nur den Bruchteil einer Sekunde, um aus Bewegung ein Bild zu machen. Dafür braucht es eine schnelle Kamera. Vor allem aber braucht es jemanden, der weiß, was er mit ihr machen muss.
Erst fotografieren lernen.
Dann aufrüsten.
Denn auch eine Kamera für mehrere tausend Euro weiß nicht, wann der Hund abspringt.
Eine halbe Sekunde später ist das Bild vorbei.
Ein Hund, der gemütlich über eine Wiese läuft, ist eine Sache. Ein Australian Shepherd, der mit voller Geschwindigkeit über einen Baumstamm auf dich zufliegt, eine ziemlich andere.
Plötzlich verändert sich der Abstand zum Motiv permanent, die Bewegung geht nicht nur von links nach rechts, sondern direkt auf die Kamera zu – und Fell, Ohren und Pfoten bewegen sich zusätzlich in alle möglichen Richtungen.
Genau hier zeigt sich sehr schnell, ob man die technischen Grundlagen wirklich verstanden hat.
Belichtungszeit
Schnelle Bewegung braucht kurze Belichtungszeiten. Bei solchen Situationen bewege ich mich je nach Licht und Motiv häufig irgendwo zwischen 1/1000 und 1/2000 Sekunde – manchmal auch darüber.
Autofokus
Der Fokus muss nicht dort sitzen, wo der Hund gerade war, sondern dort bleiben, wo er sich hinbewegt. Ein kontinuierlich arbeitender Autofokus ist deshalb bei Action entscheidend.
Timing
Viele Bilder pro Sekunde helfen. Trotzdem ersetzt eine schnelle Serienbildfunktion nicht das Gefühl für Bewegung, Absprung, Richtung und den richtigen Moment.
Bewegungsunschärfe lässt sich nicht wegdiskutieren.
Gerade bei Hunden wird die notwendige Belichtungszeit häufig unterschätzt. Der Körper kann dabei durchaus scharf aussehen, während Pfoten, Ohren oder einzelne Fellpartien bereits deutliche Bewegungsunschärfe zeigen.
Deshalb reicht es nicht, einfach irgendeine kurze Zeit einzustellen. Entscheidend ist, wie schnell sich das Tier bewegt, aus welcher Richtung die Bewegung kommt, welche Brennweite verwendet wird und wie viel vorhandenes Licht zur Verfügung steht.
Und genau hier hängen plötzlich Belichtungszeit, Blende und ISO unmittelbar zusammen.
Wer seine Kamera versteht, trifft diese Entscheidungen während des Shootings. Wer nur ein Automatikprogramm benutzt, überlässt sie der Kamera.
Eine 5.000-Euro-Kamera kann auch sehr schnell sehr viele unscharfe Bilder produzieren.
Nur eben mit beeindruckender Serienbildgeschwindigkeit.
Nein. Aber langsam sollte sie auch nicht gerade sein.
Das Bild oben habe ich vor Jahren mit meiner alten Canon 7D fotografiert.
Mittlerweile steht bei mir natürlich auch etwas Neueres im Schrank. Moderne Kameras können vieles deutlich besser: Autofokussysteme erkennen Motive zuverlässiger, verfolgen Augen und Tiere, schaffen höhere Serienbildraten und bieten erheblich bessere Reserven bei hohen ISO-Werten.
Das ist kein Marketingmärchen. Gute aktuelle Technik macht anspruchsvolle Situationen tatsächlich einfacher.
Aber meine alte 7D wusste damals genauso wenig wie meine heutige Kamera, wann dieser Hund über den Baumstamm springen würde.
Sie wusste auch nicht, welche Verschlusszeit ich dafür brauche, wo ich mich positionieren sollte oder wann ich den Auslöser drücken muss.
Das war mein Job.
Schnell ist gut.
Beherrschen ist besser.
Eine bessere Kamera sollte Möglichkeiten erweitern – keine Grundlagen ersetzen.
Natürlich darf man sich neues Equipment kaufen. Ich mache das schließlich auch.
Und spätestens bei anspruchsvoller Tierfotografie merkt man, wie angenehm ein moderner Autofokus, ein schneller Sucher, ein großer Pufferspeicher oder gute ISO-Leistung sein können.
Nur würde ich niemandem empfehlen, technische Probleme zuerst mit der Kreditkarte lösen zu wollen.
Wenn Bilder bei Bewegung regelmäßig unscharf werden, sollte die erste Frage deshalb nicht lauten: „Welche Kamera muss ich kaufen?“
Sondern: „Warum ist das Bild unscharf geworden?“
Wer diese Frage beantworten kann, weiß anschließend auch ziemlich genau, an welcher Stelle neues Equipment tatsächlich einen Unterschied macht.
Alt heißt nicht automatisch unbrauchbar.
Meine Canon 7D gehört aus heutiger Sicht sicherlich nicht mehr zur neuesten Generation.
Trotzdem sind damit über Jahre Bilder entstanden, die ich auch heute noch gerne zeige.
Nicht weil die Kamera irgendeinen Zaubertrick beherrscht hätte, sondern weil ich wusste, was ich von ihr verlangen konnte – und wo ihre Grenzen lagen.
Genau das ist für mich ein wichtiger Teil des Fotografierens: Nicht ständig darüber nachzudenken, was die nächste Kamera besser könnte, sondern erst einmal das auszureizen, was man bereits in der Hand hält.
Raus aus der Theorie.
Ran an den Hund.
Belichtungszeit, Autofokus, Bewegung und Timing versteht man nicht, weil man zwanzig Videos darüber gesehen hat. Man versteht sie, wenn ein echter Hund vor einem losläuft und man lernen muss, darauf zu reagieren.
Genau darum geht es in meinem individuellen Fotocoaching: mit deiner eigenen Kamera, echten Situationen und direktem Feedback.
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