Dogs from Outer Space
… oder wo bei mir die Bildbearbeitung aufhört.
Man kann einen Hund in einen Raumanzug stecken.
Wie man sieht: Kann ich.
Und ganz ehrlich? Ich mag sowas sogar. Fantasy, Science-Fiction, surreale Bildwelten und kreative Composings haben durchaus ihren Reiz.
Ich bin nicht nur Fotograf, sondern auch Grafiker. Ich weiß also ziemlich genau, was in der Bildbearbeitung möglich ist. Und manchmal macht es einfach Spaß, Dinge zu bauen, die mit der Realität nicht mehr besonders viel zu tun haben.
Aber genau da liegt auch der Punkt: Nur weil man etwas machen kann, muss man es nicht automatisch bei jedem Foto tun.
Bei Dog Pictures bleibt das Tier das zentrale Motiv.
Gerade in der Hunde- und Pferdefotografie ist für mich nicht der Effekt das eigentliche Ziel.
Es geht um den Hund. Um das Pferd. Um Ausdruck, Charakter, Licht, Bewegung, Persönlichkeit und manchmal um diese kleinen Augenblicke, die man vorher überhaupt nicht planen konnte.
Und deshalb gibt es bei mir in der Bildbearbeitung eine ziemlich klare Grenze.
Nicht mein Stil ist es, ein Foto anschließend so stark zu verändern, dass vom ursprünglichen Eindruck kaum noch etwas übrig bleibt. Wenn Farben so weit verschoben werden, dass grüne Wiesen gelb, Blätter blau und natürliche Felltöne plötzlich Teil einer völlig neuen Farbwelt werden, befinden wir uns irgendwann tatsächlich ein wenig bei Dogs from Outer Space.
Kann man machen. Wer es mag: völlig in Ordnung. Und manches davon sieht sogar verdammt gut aus.
Es ist nur nicht der Dog-Pictures-Style.
Natürlich
Fellfarben, Umgebung und Licht dürfen optimiert werden, sollen aber glaubwürdig bleiben.
Klar
Die Bearbeitung unterstützt den Blick auf das Tier, statt selbst zum eigentlichen Motiv zu werden.
Bewusst
Nicht alles, was Photoshop kann, muss auch in einem fertigen Bild landen.
Bildbearbeitung gehört zur Fotografie.
Vielleicht sollte man eines direkt klarstellen: Ich gehöre ganz sicher nicht zur Fraktion „Ein gutes Foto kommt fertig aus der Kamera“.
Natürlich bearbeite ich meine Bilder.
Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Farben, Bildausschnitt und lokale Korrekturen gehören für mich ganz selbstverständlich zum fotografischen Prozess.
Auch Retusche kann absolut sinnvoll sein. Eine Leine, ein störendes Schild, ein Mülleimer im Hintergrund, ein heller Ast an genau der falschen Stelle oder ein anderes Element, das unnötig Aufmerksamkeit auf sich zieht – solche Dinge dürfen verschwinden.
Nicht weil dadurch eine andere Wirklichkeit entstehen soll, sondern weil sie für das eigentliche Bild überhaupt keine Bedeutung haben.
Bildbearbeitung ist für mich ein Werkzeug. Kein Selbstzweck.
Ich möchte Bilder bearbeiten. Ich möchte sie nicht neu erfinden.
Wenn zuerst die Bearbeitung auffällt, wird es mir zu viel.
Wenn ich ein Hundeporträt anschaue, möchte ich nicht zuerst denken: „Wow, was für ein Preset.“
Ich möchte denken: Was für ein Blick.
Wenn ich ein Pferdebild sehe, soll nicht zuerst eine extreme Farbstimmung schreien. Ich möchte das Pferd wahrnehmen. Seine Präsenz, seine Bewegung, seine Ruhe oder seine Energie.
Ein eigener Bildstil darf sichtbar sein. Natürlich. Ein Foto darf durch die Bearbeitung kräftiger, ruhiger, klarer oder stimmungsvoller werden.
Aber die Bearbeitung sollte das Motiv tragen und nicht verschlucken.
Fell soll weiterhin wie Fell aussehen. Licht darf besonders sein, ohne beliebig zu werden. Farben dürfen schön sein, ohne ihre Verbindung zur Realität vollständig zu verlieren.
Ich könnte wesentlich mehr verfremden.
Ich will es nur nicht.
Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt.
Ich verzichte nicht auf massive Bildmanipulation, weil ich sie technisch nicht könnte. Als Grafiker gehören Retusche, Composing, Farbwelten und umfangreiche Bildbearbeitung zu meinem Handwerk.
Ich könnte mehr montieren. Mehr glätten. Mehr einfärben. Mehr verändern.
Die entscheidende Frage lautet für mich aber nicht:
„Was kann ich noch machen?“
Sondern:
„Was braucht dieses Bild überhaupt?“
Wenn eine Veränderung dem Bild und seinem Motiv nicht hilft, brauche ich sie nicht.
Das eigentliche Bild entsteht für mich immer noch beim Fotografieren.
Licht erkennen. Eine Perspektive wählen. Den richtigen Abstand finden. Bewegung einschätzen. Auf den Hund oder das Pferd reagieren. Und im richtigen Moment auslösen.
Das sind die Dinge, die für mich ein Bild bestimmen.
Photoshop kann anschließend sehr viel. Aber es sollte nicht retten müssen, was beim Fotografieren nie stattgefunden hat.
Genau deshalb interessiert mich auch beim Coaching weniger, welches Preset jemand verwendet. Mich interessiert viel mehr, warum ein Bild überhaupt funktioniert.
Denn wenn Licht, Perspektive, Ausdruck und Moment stimmen, braucht es hinterher oftmals erstaunlich wenig.
Der Hund soll nach dem Shooting nicht aussehen, als hätte ich ihn auf einem fremden Planeten gefunden.
Andere Bildsprache? Völlig okay.
Und bevor jetzt irgendwo die Photoshop-Pinsel gewetzt werden: Das hier ist kein Angriff auf andere Fotografen.
Es gibt fantastische Composings, extreme Looks, Fantasy-Bilder und surreale Bildwelten, hinter denen unglaublich viel Können und Kreativität stecken.
Wer genau darin seine Bildsprache gefunden hat, soll sie genauso umsetzen.
Fotografie muss nicht überall gleich aussehen. Zum Glück.
Aber genauso darf jeder Fotograf irgendwann entscheiden, was zur eigenen Arbeit gehört – und was eben nicht.
Und bei mir ist diese Entscheidung ziemlich klar.
Veredeln statt verfälschen.
Ein gutes Foto darf durch Bearbeitung besser werden. Runder. Klarer. Stärker. Ruhiger. Präziser.
Aber es sollte dabei nicht seine Glaubwürdigkeit verlieren.
Bei Dog Pictures bleiben deshalb Hund oder Pferd immer das Hauptmotiv.
Nicht der Filter.
Nicht der Effekt.
Nicht die Verfremdung.
Sondern das Tier.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem bei mir die Bildbearbeitung aufhört.
Zumindest meistens.
Denn für einen Hund im Raumanzug ist natürlich trotzdem immer Platz.


